Der Kammerwinkel - zu oft unterschätzt und doch so wichtig!

Der Kammerwinkel, auch Baumwinkel genannt, wird von manchen Experten rund um den Sattel leider etwas stiefmütterlich behandelt, obwohl er für einen störungsfreien Bewegungsablauf des Pferdes unerlässlich ist!!

Aber zuerst einmal zur Definition des Kammerwinkels:

Im Inneren des Sattels befindet sich bekanntlich ein Sattelbaum, welcher meistens aus Holz oder Kunststoff besteht. Bei denen meisten Sätteln ist zum Erhalt der Stabilität des Sattelkonstruktes während des Reitens ein Kopfeisen, sprich ein sich im vorderen Teil des Sattels (Vorderzwiesel) befindliches Metallteil, verbaut. Das Kopfeisen hat je nach Hersteller verschiedene Formen und ist in der Regel starr. Es kann meistens in einer Presse verstellt werden oder bei einigen Modellen gegen ein Anderes getauscht werden. Hier hat jeder Sattelhersteller seine eigene Idee und Philosophie, auf die wir jetzt nicht näher eingehen wollen. Der Winkel, in welchem dieses Kopfeisen (oder in Modellen ohne Kopfeisen die Ortspitzen des Baumes) zu einer gedachten, vertikalen Linie steht, ist der Kammerwinkel.

Wieso ist dieser nun so wichtig??


Dazu müssen wir uns mal wieder die Anatomie des Pferdes anschauen. Hierzu knüpfe ich an die vorherigen Blogposts über die Auflagefläche des Sattels sowie die Schulterschiefe des Pferdes an, diese bitte also vorher aufmerksam lesen. :)Ihr habt also die Sattelauflagefläche inklusive des Schulterblatts mit Kreide bei eurem Pferd eingezeichnet und euch die Schultern mal genauer angeschaut. Nun sucht ihr euch die erhabenste Stelle mittig am Schulterblatt und legt dort eine Gerte oder einen Stift an.Nun habt ihr den Winkel des Schulterblatts zu einer gedachten, vertikalen Linie ermittelt.

Und was hat die Winkelung des Schulterblattes nun mit der Winkelung des Kopfeisens im Sattel zu tun?

Beim Vorführen der Vordergliedmaße bewegt sich das Schulterblatt des Pferdes nach hinten. Dies könnt ihr ausprobieren, in dem ihr ein Vorderbein nach vorne anhebt und schaut, wie sich das Schulterblatt bewegt. Um dem Schulterblatt ein störungsfreies und somit schmerzfreies Durchgleiten unter dem Kopfeisen zu ermöglichen, muss der Winkel des Kopfeisens dem des Schulterblattes unbedingt angepasst, das heißt parallel, sein!!

Ist der Winkel des Kopfeisens beispielsweise deutlich steiler als der des Schulterblattes, stößt das Pferd mit seinem Schulterblatt bei jedem Tritt im oberen Teil gegen das Kopfeisen.

Das Pferd wird versuchen, dem Schmerz auszuweichen und die Vorderbeine nur noch möglichst kurz nach vorne zu führen und verliert somit deutlich an Raumgriff.

Langzeitfolgen sind Veränderungen des Schulterblattknorpels, Muskelatrophien, Kompensationshaltungen, Sattelzwang, Veränderung der kompletten Bewegungsamplitude bis hin zu Blockieren und dem Auftreten von Lahmheiten.

Häufig ist dies ein schleichender Prozess bis hin zur völligen Arbeitsverweigerung.

Wenn ihr den Beitrag zum Thema Schulterschiefe gelesen habt, ist es natürlich klar, dass ihr den Winkel immer auf beiden Seiten bestimmen solltet.

Also schnappt euch eine Gerte oder einen Stift und checkt, ob der Kammerwinkel eures Sattels zum Winkel des Schulterblattes eures Pferdes passt. Sollte dies nicht der Fall sein und euer Pferd zeigt gegebenenfalls schon Symptome, ist es dringend an der Zeit, einen Experten zu Rate zu ziehen!

Postet doch gerne mal ein Foto von eurer Messung bei Instagram und verlinkt uns oder schickt uns eine Mail!

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