Der Sattelgurt - ohne Gurt kein Sattel!

Einen passenden Sattelgurt zu finden, ist mindestens genau so eine Wissenschaft, wie den passenden Sattel zu finden. Und vor allem auch genauso wichtig!

Worauf sollte man bei der Wahl des Sattelgurtes achten?

1.  Die anatomische Gurtlage

      Jedes Pferd hat abhängig von seinem Exterieur und seiner Anatomie eine individuelle Gurtlage.

      Diese gilt es zunächst einmal herauszufinden. Der Gurt folgt einer ganz simplen Regel:

      Er wird immer an der schmalsten Stelle des Pferdebauches zum liegen kommen. Dies ist die anatomische Gurtlage des Pferdes. Das bedeutet, auch wenn ihr beim Satteln ein ganzes Stück weiter hinten gurten würde, rutscht der Gurt und somit auch der Sattel während des Reitens nach vorne in die anatomische Gurtlage.

      Die anatomische Gurtlage des Pferdes beeinflusst somit die Wahl der Gurtstrupfen am Sattel.

      Wenn ihr den Sattel auf den Pferderücken legt, sollten die Gurtstrupfen ungegurtet in einer Linie zur anatomischen Gurtlage des Pferdes fallen. Ist die Passform des Sattels grundsätzlich gut, aber die Gurtstrupfen liegen beispielsweise zu weit hinten, wird der Sattel während des Reitens nach vorne Richtung Schulter gezogen und erzeugt hier Druck. Die eigentlich gut Sattelpassform wird somit zunichte gemacht.

      Dies gilt sowohl für Dressursättel mit langen Gurtstrupfen, als auch für Spring- oder Vielseitigkeitssättel.

      2.  Die Gurtlänge

            Die Grundregel der Gurtlänge besagt: Ein Sattelgurt sollte immer möglichst lang gewählt werden!

            Insbesondere bei Kurzgurten wird häufig der Fehler begangen, dass der Sattelgurt zu kurz gewählt wird.

            Die Schnallen eines Kurzgurtes sollten niemals in Höhe des Ellbogens des Pferdes liegen und immer geschützt sein. Einerseits befindet sich dort Ausläufer eines empfindlichen Nervengeflechts (Plexus brachialis), andererseits Lymphknoten sowie die Kante eines Teils der Brustmuskulatur (M. pectoralis profundus). Das bedeutet, dass das Pferd grade in diesem Bereich besonders empfindlich auf den Druck von Gurtschnallen reagiert. Häufig ist dies eine Ursache für das Entstehen von Gurtzwang.

            Auch ein Langgurt sollte möglichst lang gewählt werden und nicht bei voller Gurtung direkt mit der Kante des Sattelblattes abschließen, da sich dort je nach Länge des Sattelblattes meist die untere Kante des Musculus latissimus dorsi befindet..

            Also merke: Druck durch Gurtschnallen auf Muskelkanten, Lymphknoten oder empfindlichen Nervengeflechten führt immer zu einer Schmerzreaktion des Pferdes und stört die biomechanischen Abläufe. Verschiedenen Studien zufolge, erhöht ein der Anatomie des Pferdes entsprechender Gurt das Anheben der Vorderbeine um bis zu 10 %.

            3.  Material und Form des Sattelgurtes

              Ob Leder, Lammfell, Kunststoff, Schnurengurt, Mondgurt etc…,natürlich gibt es hier keine Pauschallösung für alle Pferde was Material und Art des Gurtes betrifft , sondern die Anatomie und Vorlieben jedes Pferdes sollte individuell betrachtet werden.

              Ein paar Grundsatzregeln gibt es allerdings dennoch.

              • Die Dicke eines Gurtes sollte an der Breite des Brustkorbes und der Ellbogenfreiheit des Pferdes bemessen werden.Wie beim Menschen auch gibt es eher die schmalbrüstigen Pferde mit wenig Abstand zwischen Ellbogen und seitlichem Brustkorb, aber auch die breitgebauten Pferde mit einem breiten Brustkorb und viel Platz zwischen Ellbogen und seitlichem Brustkorb (Ellbogenfreiheit). Ein schmalbrüstiges Pferd wird mit einem sehr dicken Lammfellgurt eher schlechter klarkommen, da der Ellbogen möglichweise in der Bewegung bei jedem Schritt am Gurt anstößt.                                                                                        Wie könnt ihr das messen?                                                                                                                                                                                               Stellt euer Pferd auf allen 4 Füßen gleichmäßig hin, wichtig ist, dass die Vorderbeine auf einer Höhe nebeneinander stehen. Nun messt ihr unter dem Bauch durch den Abstand zwischen beiden Ellbogen. Ist euer Ergebnis < 20cm , habt ihr vermutlich ein Pferd mit wenig Ellbogenfreiheit.Außerdem schaut ihr mit der flachen Hand, wie viel Platz zwischen Ellbogen und seitlichem Brustkorb ist. Könnt ihr grade so eure flache Hand dazwischen schieben, ist beispielsweise ein dicker Fellgurt nicht das Richtige für euer Pferd.
              • In vielen Gurten befindet sich ein Gurtband im Inneren. Auf diesem lastet der Hauptdruck, egal wieviel Stoff, Fell oder sonstiges außer herum ist. Somit sollte ein solches Gurtband entweder möglichst breit sein oder aus mehreren dünneren Bändern zusammensetzen. Denn befindet sich im Inneren nur ein schmales Bändchen, wird der Druck auch nur über eine sehr kleine Fläche verteilt, was für das Pferd sehr unangenehm sein kann.
              • Wenn die Enden eines Sattelgurtes elastisch sind, dann sollen sie das in jedem Fall auf beiden Seiten sein. Ein einseitiges Elastikteil führt zu seitenungleichem Gurten und somit zu einer ungleichen Druckverteilung auf beiden Seiten. Generell verführen Elastikeinsätze dazu, zu stark anzugurten, das diese ja immer nachgeben.

                   Also merke: Bei Gurten mit Elastikeinsätzen niemals den Gurt zu stark anziehen.

              Was das Material des Gurtes angeht, gibt der Markt für jeden Geldbeutel etwas her. Wichtig ist, dass hier die Vorlieben des Pferdes betrachtet werden. Dies kann manchmal einige Zeit und Muße des Testens mit sich führen.

              Generell kann man natürlich sagen, dass jede Art von Naturmaterial (Leder, Lammfell, Baumwolle, Merinowolle) Schweiß besser aufnimmt und die Haut atmen lässt. Ich denke jeder kennt den Unterschied zwischen einem T-Shirt aus Polyester und einem aus Baumwolle ;)

              Am Ende noch eine kleine Liebeserklärung an den Schnurengurt ♥

              Durch den Aufbau aus vielen geflochtenen Schnüren verteilt sich der Druck extrem gleichmäßig und der Gurt kann der Bewegung des Brustkorbes folgen. Schnurengurte sind sehr flach und gewährleisten so die maximale Ellbogenfreiheit. Durch die geflochtenen Fasern bringen Schnurengurte genügend, aber nicht zu viel Elastizität mit. Sie sind langlebig und formstabil. Benutzt man einen Schnurengurt aus Naturmaterialien wie Mohair oder Baumwolle eignet sich dieser besonders gut für hautsensible Pferde und vermeidet Scheuerstellen.

              Wichtig ist allerdings, dass die Schnallen des Schnurengurtes niemals direkt auf der Haut des Pferdes liegen. In unserem Shop findet ihr einen Schnallenschutz aus Leder mit einer Lammfellunterseite, welcher den Druck der Schnallen abfängt und somit auch die Verwendung des Schnurengurtes als Kurzgurt möglich macht.

              Fotos: Alexander Morgenroth, privat

              1 Kommentar

              • Hallo und guten Tag, ich habe jetzt mal den Schnallenschutz für meinen Mohair-Schnurengurt (vom Sattelgurtguru) bestellt (Er ist auch angekommen ) und bin gespannt. Ich hatte schon Schnallenschutzpads vom Gurt-Hersteller , die haben extremst gescheuert und seitdem liegen die Schnallen eben auf dem Fell. Neuer Versuch nun. Eine Frage zur Lammfellschabracke: Die legt man statt Schabracke auf das Pferd? Ich habe einen Vollblutaraber, jetzt mit neuem Esprit-Sommer-Sattel, geht da die Warmblutgröße? Muss der Sattel dann neu angepasst werden oder ist das fell nicht sooo dick? Mein Pferd ist wirklich ansonsten robust, hat aber leider eine empfindliche Haut (Fuchs-typisch?) und möchte natürlich optimalen Schutz. Viele Grüße von der Bergstraße, Claudia Fischer
                Claudia Fischer 26.10.2021

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