Die Auflagefläche des Sattels - Anatomie, verlass´mich nie!

Die Auflagefläche des Sattels, auch Sattellage genannt, beschreibt die Fläche, auf der der Sattel in Kontakt mit dem Pferdekörper kommen darf, ohne Druck oder gar Schmerzen zu erzeugen.

Anders herum gesagt: Sollte der Sattel an Stellen außerhalb der Sattelauflagefläche aufliegen, erzeugt dies auf kurz oder lang schmerzhafte Druckpunkte und resultiert in Kompensationshaltungen.

Um die Auflagefläche zu bestimmen, sollte man sich ein wenig mit der Anatomie des Pferdes auseinandersetzen.

Die Sattellage erstreckt sich über die Brustwirbelsäule des Pferdes. Sie beginnt kurz hinter dem Widerrist, circa in Höhe des 7./8. Brustwirbels und endet am 18. Brustwirbel. Diesen sollte ein Sattel in seiner Länge in keinem Fall überschreiten.

Der Schwerpunkt des Sattels befindet sich etwa in Höhe des 12./13. Brustwirbels.

Die Breite des Wirbelkanals ergibt sich aus der Breite des langen Rückenbandes, die Breite der Sattelkissen aus der Breite des langen Rückenmuskels.

Das Kopfeisen muss hinter der Hinterkante des Schulterblattes und dessen knorpeligen Anteilen liegen und in seiner Winkelung dem Winkel des Schulterblattes entsprechen.

Der Bereich rund um den Widerrist muss freibleiben.

Dies sind einige Grundpfeiler der Sattelanpassung in Kurzform, ausführliche Informationen zur Sattellänge, Sattelschwerpunkt etc. findet ihr in den jeweiligen Blogbeiträgen.

Aus diesen Grundpfeilern ergibt sich die Auflagefläche des Sattels auf dem Pferderücken.

Schauen wir und das anatomisch mal etwas genauer an:

Die Brustwirbelsäule ist über die Rippen mit dem Brustbein verbunden und bildet somit einen stabilen Brustkorb, welche in der Lage ist, das Gewicht von Sattel und Reiter zu tragen, natürlich nur im Zusammenspiel mit verschiedensten Muskeln, Bändern und Sehnen.

Die Brustwirbel selber und auch das darüber liegende lange Rückenband dürfen in keinem Fall in direkten Kontakt mit dem Sattel kommen, die Auflagefläche der Sattelkissen sollte sich auf den Bereich des langen Rückenmuskels fokussieren.

Rund um den Widerrist befindet sich Muskulatur sowie Ausläufer des 11. Gehirnnerven (Nervus accessorius). Punktueller Druck durch zu enge Kopfeisen oder stark gepolsterte Kissen erzeugt sofort Schmerzen und mündet in einer Atrophie (Schwund) der umgebenden Muskulatur.

Außerdem muss der Widerrist sich in der Längsbiegung des Pferdes ebenfalls zur Seite biegen können, ohne daran vom Sattel behindert zu werden.

Das Schulterblatt des Pferdes rotiert während dem Vorwärtsführen der Hintergliedmaße nach hinten-oben und beim Rückwärtsführen der Gliedmaße nach vorne-unten. Das Kopfeisen des Sattels muss hinter dem Schulterblattknorpel des Pferdes liegen und natürlich in Weite und Winkel so passen, dass eine Rotation des Schulterblattes möglich ist.

Und nun zum praktischen Teil, dem Einzeichnen der Sattellage am Pferd!

Schnappt euch ein Stück Kreide und los geht´s!


Linie 1:

Zunächst sucht ihr euch das Schulterblatt eures Pferdes um malt dieses mit Kreide nach. Insbesondere der rückwärtige Teil ist wichtig!

Linie 2:

Nun sucht ihr die 18. Rippe, also die letzte Rippe, und verfolgt diese mit den Fingern bogenförmig bis nach oben und malt die Linie nach. Bei etwas dickeren Pferden ist das nicht immer ganz einfach, für weitere Methoden schaut einfach in unserem Beitrag über die Sattellänge vorbei.

Linie 3 + 4:

Anschließend sucht ihr die Kante des langen Rückenbandes sowie die des langen Rückenmuskels (wie das geht, lest ihr in unserem Beitrag über den Wirbelkanal) und malt diese nach.

Linie 5:

Im Bereich des Widerrist zeichnet ihr großzügig ein Dreieck ein, das dieser ja frei bleiben soll.

Tadaa! Die Fläche zwischen all diesen Linien ist die Sattelauflagefläche eures Pferdes!

Ihr könnt sie ausmalen oder schraffieren und am besten ein Foto davon machen.

Das heißt, dass der Sattel nur innerhalb dieser Fläche mit seinen horizontalen Sattelkissen aufliegen darf!

Jetzt könnt ich euren eigen Sattel auflegen und schauen, ob die Auflagefläche des Sattels zu der des Pferdes passt.

Ihr solltet diesen Sattelcheck sowohl am Boden als auch mit Reitergewicht im Sattel machen.

Ein kleiner Tipp für Fortgeschrittene: Malt die Sattelauflagefläche ruhig auf beiden Seiten des Pferdes an und schaut euch das Kunstwerk mal von oben an. Eventuell erkennt ihr eine Schulterschiefe oder andere Seitenunterschiede. Hierzu gibt es bald in einem neuen Blogpost mehr.


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