Wie die Schulterschiefe des Pferdes die Sattelpassform beeinflusst

Bei einem Großteil der Pferde liegt eine Asymmetrie der Schulterposition vor. Das bedeutet, wenn ihr im Stand von hinten-oben auf den Rücken eures Pferdes schaut (das Pferd muss dazu unbedingt vorne geschlossen stehen, der Kopf sollte nach vorne schauen),erscheint ein Schulterblatt etwas größer und liegt weiter hinten, meistens ist es die linke Schulter. Das andere Schulterblatt wirkt flacher und liegt weiter vorne. Am besten malt ihr vorher die Schulterblätter mit Kreide nach, so könnt ihr eine Asymmetrie besser erkennen. Bei dem einen Pferd ist diese Asymmetrie sehr stark ausgeprägt, bei anderen Pferden fällt sie fast gar nicht auf oder die Schulterblätter sind auf beiden Seiten exakt gleich groß und befinden sich in der gleichen Position.

Aber woran liegt das?


Dafür schauen wir uns zunächst mal wieder die Anatomie des Pferdes an.Die gesamte Vordergliedmaße des Pferdes ist nicht gelenkig mit dem Brustkorb verbunden, sondern durch Muskeln, Bänder und Sehnen quasi beidseits von außen an den Brustkorb angedockt. Da diese Strukturen in ihrer Länge relativ flexibel sind, kann die anatomische Lage der Pferdeschulter lebenslang variieren. Das heißt, wenn die Schulterblätter eures Pferdes heute parallel liegen, kann das in einem Jahr schon wieder ganz anders ausschauen.

Aber wodurch wird die Position der Schulter beeinflusst?

Hierfür gibt es vielfältige Gründe.

1. Zunächst mal der einfachste Grund: die Evolution sowie die natürliche Lebensweise des Pferdes.

Die meisten Pferde grasen auf der Wiese mit dem linken Bein nach vorne rausgestellt, das rechte Bein fungiert als Stützbein. Durch das stetige Vorführen der linken Vordergliedmaße rotiert das Schulterblatt ja ständig nach hinten und verharrt eine ganze Weile in dieser Position. Grast ein Pferd also den lieben, langen Tag auf Wiese, passen sie Muskeln, Sehnen und Bänder langsam an die rückwärtige Position des Schulterblattes an.

Kleiner Fun Fact: Meistens ist bei Pferden, die mit dem linken Bein nach vorne grasen, nicht nur das Schulterblatt zurück sondern auch die Mähne auf der rechten Seite und die linke Hufwand flacher als die rechte Hufwand.

Natürlich gibt es das Ganze auch spiegelverkehrt.

Setzt euch doch mal auf die Wiese, schaut den Pferden beim Grasen zu und vergleicht die oben genannten Punkte bei verschiedenen Pferden.

2. Durch Lahmheiten oder Verletzungen entstandene Schonhaltungen können ebenfalls zu einer ausgeprägten Schulterschiefe führen.

3. Wie so oft der Fall-unpassendes Equipment und schlechtes Reiten können ebenfalls in einer Schiefe resultieren. Andersherum kann man eine zuvor ausgeprägte Schiefe durch korrektes Reiten und passendes Equipment deutlich verbessern.

Wie wirkt sich die Schulterschiefe nun auf die Sattelpassform aus?

Häufig passiert es, dass das Schulterblatt, welches weiter zurückliegt beim Vorwärtsführen der Gliedmaße den Sattel zur anderen Seite schubst. Hierdurch entsteht auf der einen Seite seitlicher Druck am Widerrist und auf der anderen Seite Druck in der den Widerrist umgebenden Muskulatur. Die Langzeitfolge können Lahmheiten der betroffenen Vordergliedmaße sowie Schäden von Sehnen und Bändern durch eine Überbelastung sein.

Vielleicht merkt ihr es beim Reiten gar nicht direkt, vielleicht habt ihr aber auch ständig das Gefühl zu einer Seite zu fallen.

Je nach Ausprägung, sieht man aber atrophierte Muskulatur am Widerrist auf einer Seite oder das Pferd reagiert empfindlich bei Berührung des Widerristes.

Außerdem entsteht durch das Drehen des Sattels zur einen Seite Druck im Lendenwirbelsäulenbereich der anderen Seite, was wiederum häufig zu einer Kompensationshaltung und daraus resultierenden Beckenschiefe führt.

Wie kann man das Problem lösen?

In der Regel sollte der Sattel in Kammerweite und Kammerwinkel auf die größere Schulter angepasst werden und die Sattelkissen nicht ungleich gepolstert werden.

Die Asymmetrie kann mit Hilfe eines Korrekturpads, bei dem Einlagen aus bspw. Filz gleichgroße Schultern simulieren, in Bezug auf die Sattelpassform behoben werden.

Dies sollte aber in jedem Fall von einem Fachmann kontrolliert werden.

Habt ihr schon einmal auf die Schulter eures Pferdes von oben geschaut?

Und wusstest ihr, dass eine Asymmetrie so häufig vorliegt?

Bleibt diese unerkannt im Bezug auf die Passform des Sattels, kann das mitunter dramatische Folgen haben.

Übrigens: Ab Juli findet ihr auch bei uns im Shop ein Korrekturpad aus Lammfell, welches ihr natürlich auch direkt auf den Pferderücken legen könnt!

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