Wirbelkanal-ist breit immer nur gut?

Der Wirbelkanal, auch Kissenkanal genannt, beschreibt die freie Fläche zwischen den beiden tragenden Sattelkissen. Die Länge ergibt sich aus der Form des Sattelbaumes und der Sattelkissen bzw. der Sattellänge, die Breite hingegen unterscheidet sich teilweise stark zwischen den einzelnen Herstellern und Modellen.

Wieso ist das so und wie finde ich heraus, wie breit der Wirbelkanal für mein Pferd sein muss?

Schauen wir uns dazu zunächst nochmal die Anatomie des Pferdes an.Wichtig ist hier zum einen die Breite der Wirbelkörper innerhalb der Sattellage. Wie wir ja aus dem Beitrag zur Sattellänge wissen, darf die Auflagefläche der Sattelkissen den 18. Brustwirbel nicht überschreiten, im vorderen Bereich beginnt die Auflage der Kissen meist im Bereich seitlich des Widerristes. Also ungefähr auch Höhe des 7./8. Brustwirbels. Die Wirbelkörper der Brustwirbelsäule haben nach oben hin einen sogenannten Dornfortsatz, den man sich in etwa wie eine etwas aus der Form geratene Haifischflosse vorstellen kann. Diese Dornfortsätze könnt ihr spüren, wenn ihr vorsichtig mit der Hand über die Brustwirbelsäule eures Pferdes fahrt. Die einzelnen Dornfortsätze sind durch Bänder verbunden. Oberhalb der Brustwirbelsäule verläuft das lange Rückenband , welches an der korrekten Aufwölbung des Rückens beteiligt ist und von dem sicherlich die meisten Reiter schon einmal gehört haben. Ihr könnt es fühlen, wenn ihr von den Dornfortsätzen der Brustwirbelsäule seitlich mit den Fingern Richtung Bauch fahrt. Dort, wo ihr eine kleine Kante spürt, ist die äußere Kante des langen Rückenbandes. 

Auf diesen Strukturen, also den Dornfortsätzen der Brustwirbelsäule sowie der Bänder, insbesondere dem langen Rückenband, dürfen die Sattelkissen auf keinen Fall zum Liegen kommen.


Denn Druck auf Knochen oder Bändern erzeugt Schmerzen und euer Pferd wird sich sofort in ein Hohlkreuz begeben und Langzeitschäden lassen leider nicht lange auf sich warten. Seitlich der Wirbelsäule befindet sich der lange Rückenmuskel, auf welchem die Sattelkissen liegen sollten. Auch diesen könnt ihr fühlen, indem ihr vom Ende des langen Rückenbandes weiter Richtung Bauch entlang der Rippen fühlt. Die nächste Kante, die ihr spürt, ist die äußere Begrenzung des langen Rückenmuskels. Hierüber hinaus sollte das Kissen keinen Druck mehr ausüben.

Also eigentlich ganz simpel:

Der Wirbelkanal sollte so breit sein, dass kein Druck auf den Dornfortsätzen und dem langen Rückenband entsteht aber auch nur so breit sein, dass die äußere Kante des langen Rückenmuskels nicht überschritten wird.

Wenn ihr die Kanten von langem Rückenband und langem Rückenmuskel bei eurem Pferd mit Kreide markiert, könnt ihr die Wirbelkanalbreite eures Sattels schnell checken.

Wieso aber gibt es so viele Sättel, bei denen der Wirbelkanal sehr schmal und damit oft zu schmal ist?

Der Sinn der Sattelkissen ist es, als Polster zwischen Sattelbaum und Pferderücken den Druck gleichmäßig zu verteilen. Viele Sättel haben einen recht schmal taillierten Baum.

Das heißt, dass der Bereich zwischen den Oberschenkeln des Reiters eher schmal ist, das dies insbesondere für Reiterinnen aufgrund ihrer Anatomie angenehmer ist und sie näher am Pferd sitzen lässt.

Aus diesem enger taillierten Sattelbaum resultiert natürlich auch, dass der Wirbelkanal zwischen den Kissen schmaler ist.

Meistens zumindest, denn Achtung!!, manche Hersteller verbauen einen schmal taillierten Sattelbaum aber bringen die Sattelkissen trotzdem in einem breiten Abstand zueinander an. Daraus resultiert zwar optisch ein schön breiter Wirbelkanal, in Wirklichkeit aber hat der innere Teil des Baumes somit keine Polsterung und überträgt den Druck direkt auf den Pferderücken!

Ihr seht also, ganz so einfach ist es doch nicht immer.

Daher lasst euren Sattel regelmäßig von einem Sattelexperten checken und überprüft mit ihm/ihr zusammen den Wirbelkanal eures Sattels!

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